Wie in allen anderen
Sportarten gibt es auch bei den Fallschirmspringern sogenannte
Gurus.
Jeder Verein ist
meistens stolz darauf einen oder mehrere zu besitzen, obwohl sie
meistens irgendwelche komischen Eigenheiten an den Tag
legen.
Wodurch unterscheidet
sich nun der Guru vom "normalen" Springer?
Der Guru zeichnet sich
durch eine relativ hohe Sprunganzahl und der sich
daraus ergebenden großen Erfahrung aus. Er hat sich
über viele Jahre hinaus intensiver als der Durchschnittsspringer mit der
Materie befaßt, und hat dadurch natürlich viel Fachwissen angesammelt.
Die logische Folgerung ist dann meistens ein Platz im Vereinsvorstand.
An und für sich ist der
Guru ein bescheidener Mensch, der sich aber seiner
Rolle doch bewußt ist (Ausnahmen bestätigen die Regel!). Er ist jahraus,
jahrein immer am Platz und somit eine Ansprechstation
für alle Fragen und Probleme.
Die Bewunderung seiner
mehr oder weniger großen Fangemeinde ist der Lohn für die vielen Stunden
Arbeit, die er in die Springerei investiert.
Da auch der beste Guru
es nicht allen recht machen kann, muß er hin und wieder auch Kritik
einstecken. Der wahre Guru (hier trennt sich die Spreu vom Weizen) kann
mit ernsthafter Kritik nicht nur umgehen, sonder analysiert sie und
macht das Beste daraus. Ihm ist klar, daß kein Mensch auf dieser
Welt perfekt ist und es immer einen gibt, der noch besser ist
oder noch mehr Erfahrungen hat.
Eine Aufgabe, die sich
der wahre Guru irgendwann gesetzt hat ist es, die
Risikobereitschaft einiger Springer zu bremsen,
bevor es die Schwerkraft tut.
"Jeder Springer ist für
sich selbst verantwortlich" oder "Use your brain" sind
Aussprüche, die schon Kultcharakter erreichen. In Wahrheit lenken sie
aber von der Tatsache ab, daß jeder Fallschirmspringer unserer Sportart
gegenüber verantwortlich ist.
Viele Springer steigen
gerade zu einer Zeit auf kleinere, schnellere Kappen um, in der sie
glauben, schon viel Erfahrung zu haben. Erste vorsichtige Flugmanöver
und Landungen lassen den Springer dann schnell vergessen, daß man mehr
als 100 Sprünge auf der kleinen Kappe braucht, um diese
richtig kennen und fliegen zu lernen.
Bei
Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h im Endanflug genügt es nicht
mehr nur sein Gehirn zu benutzen oder sich irgend einer Verantwortung
bewußt zu sein. Ein Hochleistungsfallschirm, der ja im absoluten
Grenzbereich geflogen wird, muß von einem Piloten mit
entsprechender Erfahrung gesteuert werden. Die fatalen Folgen,
die schon ein kleiner Fehler haben kann, sind dann in den
Unfallberichten diverser Fallschirmmagazine zu lesen.
Jetzt ist es natürlich
so, daß der Guru die Weisheit auch nicht von Haus aus mit dem
Schöpflöffel gefressen hat. Er hat jede Menge Hoppalas
am eigenen Körper erlebt und unzählige brenzlige Situationen von anderen
Springern gesehen.
Das volle Programm, von
Schürfwunden über Knochenbrüche bis zu Aufschlägen mit tödlichem
Ausgang, alles war dabei.
Die Unfallberichte, die
er gelesen hat, könnten einige Bücher füllen.Daher hat der Guru den
Kampf gegen die Tücken der Schwerkraft aufgenommen. Indem er unermüdlich
über Vorsicht, Sicherheit, Erfahrungswerte usw. predigt,
versucht er, die Knochen seiner Springerkollegen heil zu erhalten.
Einigen Springern
werden die mahnenden Worte leider erst wieder durch blaue
Flecken, Schmerzen und schmutzige Gurtzeuge in Erinnerung
gerufen.
Die Erfahrung, die der
Guru über geraume Zeit durch Worte vermitteln wollte,
hat die Schwerkraft in
wenigen Sekunden gelehrt.
Die
Bruchlandung ist dann nicht nur für den Betroffenen selbst,
sondern auch für den Rest des Vereins sehr lehrreich.
In den meisten Fällen ist dann noch eine Sprungpause damit verbunden,
die Zeit genug gibt, um über alles nachzudenken.
Die glorreiche Aussage
"Je älter daß du wirst um so weniger dürfen wir tun"
bekommt der Guru dann für längere Zeit nicht zu hören.
Das stört ihn aber
nicht, diese Aussage hat ihn sowieso immer schon angekotzt.